Renovation der Kirche St. Jost

 

1. Erhaltenswerter Charakter

Die Kirche St. Jost ist das wertvollste Kulturobjekt in der Gemeinde Malters. Sie ist nicht nur malerisch in die Landschaft eingebettet, sondern verkörpert in vielfältiger und nachvollziehbarer Weise Wallfahrtsgeschichte. Der Reichtum und die Qualität ihrer Ausstattung (speziell: Hochalter, Figuren Seitenkapellen, Bilderzyklus) sowie ihre Ausstrahlung als variantenreiches Baukörperensemble erheben sie zu einem der bemerkenswertesten Baudenkmäler des Kantons Luzern und der ganzen Innerschweiz. Zudem prägen die Kirche und die zu ihr gehörende Kaplanei den Weiler Blatten. Darum stehen die Kirche als solches unter eidgenössischem Denkmalschutz und der Ort unter nationalem Ortsbildschutz.

Die Kirche St. Jost wurde letztmals in den Jahren 1959-61 einer umfassenden Renovation unterzogen. Seither wurden nur noch vereinzelte Unterhaltsarbeiten vorgenommen.
1973 wurde sie vom Staat Luzern an die röm.-kath. Kirchgemeinde Malters abgetreten mit der Überbindung der Pflicht, sie zu unterhalten und bei Bedarf zu renovieren.

2. Renovationsbedarf

Die 2006 mit Bausachverständigen und dem Denkmalpfleger an die Hand genommenen Abklärungen zeigten, dass eine erneute gründliche Renovierung des Kirchenensembles notwendig war. Im Aussenbereich waren dies zum Beispiel Feuchtstellen an den Mauersockeln, Witterungsschäden an verschiedenen Fassadenbereichen, durchgerostete Dachrinnen, undichte Stellen im Dach und Turm, Schäden am Torbogen sowie die defekte Aussentreppe. Im Innenbereich waren feuchte Stellen beim Chorbogen und bei der Empore, undichte Fenster, Grau- und Schmutzstellen im Putz, Schäden an Deckenstuckaturen und -bildern, Farbabblätterungen beim Bilderzyklus, Verwurmungen (Hochaltar, Sakristei, alle Holzausstattungen) und Farbschäden bei den Figuren der Seitenkapellen festgestellt worden.

3. Zielsetzungen

Nach einer Umfrage in der Bevölkerung, der Auslotung der künftigen Verwendung des Kirchenensembles und Gesprächen mit der Denkmalpflege formulierten Renovationskommission und Kirchenrat folgende Hauptziele:
- Das Äussere und Innere der Kirche bestmöglich erhalten.
- Nur Restaurierungen und keine Rückbauten vornehmen.
- Umgestaltung der Beichtkapelle zu einem multifunktionalen Raum.
- Schaffung einer WC-Anlage und Einrichtung der Remise für Bewirtungen.
Gestützt darauf wurde das Renovationsprojekt ausgearbeitet.

4. Das Projekt

Das am 27. Mai 2009 von der Kirchgemeinde Malters genehmigte Projekt sah in erster Linie die Sanierung und Auffrischung des Mauerwerks innen und aussen sowie aller figürlichen Ausstattungen des Innenraums vor. Eine weitere Massnahme bildete die Neueindeckung der Dachflächen und Türme. Weitere Schwerpunkte bildeten folgende Restaurierungs- und Baumassnahmen:
a) Neues Heizsystem
Sitzbankheizung im Kirchenschiff sowie Bodenheizung im Chor und in der Sakristei, gespiesen durch Fernwärme ab dem Kompostierungswerk der Weiherhus Kompost AG.
b) Neugestaltung im liturgischen Bereich
Ersatz bisheriger Einrichtungen durch einen neuzeitlichen, mobilen Altar inkl. Ambo, Taufbecken und Kerzenständer, um auch Feiern und Andachten mit kleineren Gruppen im Chor zu ermöglichen.
c) Sanierung des vergoldeten Hochaltars
Abbau des vergoldeten Hartmann-Altars, Ersatz des Traggerüsts, Sanierung/Auffrischung aller Altarteile inkl. der Vergoldungen und neu ausgerichteter Aufbau.
d) Bilderzyklus
Sanierung bzw. Auffrischung der 27 bemalten, hölzernen Tafelbildnisse.
e) Kirchenschiff
Im Zusammenhang mit der Heizungserneuerung Anpassung des Sitzkomforts der Kirchenbänke, Bau eines neuen Schriftenstandes, Auflage eines Sorgenbuches, Erneuerung der Kerzenopferanlage, Schaffung einer Sitzmöglichkeit vor den Seitenkapellen.
f) Beichtkapelle
Sanierung des spätgotischen Kreuzaltars, Erneuerung des Riemenbodens, Umgestaltung des Raumes zum Mehrzweckraum (Entfernen von 4 Beichtstühlen, Einbau Leinwand).
g) Remise und WC-Anlage
Einrichten der bisher fehlenden WC-Anlage; Gestaltung der Remise als Bewirtungsraum.
h) Neugestaltung des westseitigen Vorplatzes und Anlegung eines Rosengartens
Verbesserung der Attraktivität des Vorplatzes und Neugestaltung der Gartenanlagen.
Der Voranschlag sah Baukosten von ca. 4.65 Mio. Franken vor.

5. Gestaffelter Arbeitsablauf der Renovation

Nach einem Abschlusskonzert wurde am 7. März 2010 die Kirche geschlossen und die Arbeit nach einem abgestimmten Plan begonnen. Begleitende archäologische Grabungen zeitigten einige interessante Erkenntnisse über den Baugrund und frühere Vorplatzgestaltungen. Nach Arbeiten an den Entwässerungen und Zuleitungen wurde die Kirche bis über die Türme hinaus eingerüstet. Im Innern musste bis auf die Kanzel und die Orgel das gesamte hölzerne Ausstattungsgut demontiert, zerlegt und im Beichthaus zur Bekämpfung des Wurmbefalls begast werden. Danach wurde die Kirchenausstattung - begleitet von Denkmalpflege, Architekt und Baukommission - in Schreinereien und Ateliers fachgerecht überholt und aufgefrischt. Gleichzeitig wurden aussen das Dach, die Türme, die Fassaden und die Fenster saniert, bevor die Restauratoren- und Installationsarbeiten im Innern begannen.
Höhepunkte bildeten das Aufsetzen der Turmkreuze im Oktober 2010 sowie das Sichtbarwerden der neuen Umgebung ab Ende August 2011 und die Rückkehr des Hochaltars und der Figuren in die Kirche Ende September 2011.

6. Neuerungen und Erfreuliches

Die gesamte Renovation darf als sehr gelungen beurteilt werden. Herauszuheben sind:
- Die Neugestaltung des Beichthauses zu einem flexibel nutzbaren Raum, unter Belassung von vier Beichtstühlen und des Kreuzaltars.
- Die Einrichtung der darunter befindlichen Remise zu einem Bewirtungsraum, der von toll restaurierten, alten Einrichtungsobjekten geprägt wird (Gotische Kanzel, Turmuhrwerk).
- Die Integration der bisher fehlenden WC-Anlage ins UG des Beichthauses.
- Entdeckung von Wandmalereifragmenten in der Sakristei aus der Errichtungszeit (1634).
- Sehr gefällige Neugestaltung des liturgischen Bereichs
- Neugestaltung Vorplatz
- Errungenschaft: Entdeckung der früher im Seitenaltar stehenden Ankleidemadonna, die aus irgendwelchen Gründen im 19. Jahrhundert entfernt worden und später in den Antiquitätenhandel gelangt war. Dank einer Schenkung der Architektenfamilie Wey wurde deren Rückkehr möglich.

7. Wiedereinweihung der renovierten Kirche

Freitag, der 11.11.2011, der Tag der Wiedereinweihung, war ein äusserst freudevoller Festtag. Alle in die Renovation involvierten Personen, zahlreiche Spenderinnen und Spender sowie Gläubige aus Blatten und Malters durften miterleben, wie unser Bischof Felix Gmür die Kirche bzw. den neuen Altar, in den eine Original-Reliquie des heiligen Jost eingebracht werden konnte, den Ambo, den Osterkerzenleuchter und das Taufbecken einweihte.
Erfreulich war auch, dass am Samstag, 12.11.2011, über 1000 Besucher die neu renovierte Kirche und ihre umgenutzten Anbauten besichtigen kamen. Am Sonntag, 13.11.2011, konnte bereits erstmals in der Jost-Kirche ein Kind getauft werden.

8. Dank

Die Renovation war in allen Phasen fast immer optimal abgelaufen. Auftauchende Problematiken konnten zufriedenstellend gelöst werden. Alle an der Renovation beteiligten Personen spürten sehr viel Wohlwollen und Entgegenkommen. Darum ist es ein echtes Anliegen, nachdem die Renovation als sehr gelungen beurteilt werden darf, seitens des Kirchenrats, der Baukommission und der Stiftung Kirche St. Jost Blatten einen grossen Dank auszusprechen gegenüber:
- der Kirchgemeinde für das Verständnis und den grosszügigen Renovationsbeschluss
- der kantonalen Denkmalpflege für die finanzielle Unterstützung und die engagierte Begleitung des Vorhabens
- dem Ausgrabungsteam der kantonalen Archäologie
- Frau Waldtraut Hörsch für die wertvollen bauhistorischen Abklärungen
- allen Planern, Restauratoren und Handwerkern
- Familie Hans Schurtenberger-Hegglin für das Zurverfügungstellen des Vorplatz-Terrains
- Familie Wey-Steffen, Sursee, für die Schenkung der Ankleidemadonna
- Sakristanin Maria Buholzer-Amrein für die stetige Präsenz und Hilfsbereitschaft
- dem Patronatskomitee und all „kleinen und grossen“ Spenderinnen und Spendern sowie
- den Mitgliedern der Baukommission, des Stiftungsrats und dem Pfarreiteam

 

 

Stiftung Kirche St. Jost Blatten / Luzern

Um die Kirche St. Jost religiös und spirituell wieder zu beleben, sie aber auch kulturell nutzen zu können, wurde die „Stiftung Kirche St. Jost Blatten/Luzern“ gegründet. Die Kirche soll aus dem Dornröschenschlaf erweckt und für viele Leute wieder ein Ort der Einkehr werden. Zur Erreichung dieser Vorgaben obliegt dem Stiftungsrat auch die Aufgabe, Geldmittel für den Betrieb, den Unterhalt und die Renovation der Kirche zu sammeln, um die Erhaltung des wunderbaren Barockjuwels langfristig sicherzustellen.

 

 

  Informationen zur Gesamtrenovation

 

Bilder April 2010

 

Vor Renovationsbeginn