Inneres der Kirche

 

 

 

Das Kirchenschiff

Der Innenraum der Kirche in der heutigen Dimension geht auf die Erweiterung von 1511 zurück. Er erfuhr jedoch durch die Erhöhung der Decke und die Höhersetzung der Fenster (1638), die Neugestaltung der Emporen (1639), den Anbau der beiden Seitenkapellen (1644-48), das gemauerte Gewölbe (1703-07), sowie durch die neuen Seitenaltäre, die Rokoko-Stuckierung und die Deckengemälde (1751-54) sukzessive, noch entscheidende gestalterische Akzente. Bemerkenswert ist der Gegensatz im Innenraum der Kirche, indem das schmale, gedämpft beleuchtete Kirchenschiff vom breiteren, lichtdurchfluteten Chor, der durch ein halbhohes, 1643 gestiftetes Gitter abgetrennt ist, dominiert wird. Etwas reicher gestaltet sind die voll schliessenden Eisengitter, welche die Seitenkapellen vom Langhaus trennen. Eine spezielle Note verleiht dem Raum die nussbaumhölzerne Renaissance-Kanzel (1630), die 1703 noch mit Zierrat barockisiert wurde.

 

 

Der Chorraum Der 1684 neu entstandene, dreiseitig geschlossene Chor wurde eigens breiter gebaut und mit sechs ausladenden Rundbogenfenstern versehen, um dort gut ausgeleuchtet einen wundervollen raumprägenden Hochaltar zu präsentieren. Der Raum wird durch acht Wandpilaster gegliedert, ab denen sich ein Stichkappengewölbe erhebt, das im Zentrum mit einem ovalen Leinwandgemälde von Jacob Carl Stauder (1755), die Auffindung des heiligen Kreuzes durch die Kaiserin Helena darstellend, abschliesst. An den vier mittleren Pilastern sind oben plastisch gestaltete, die vier Jahreszeiten symbolisierende Bildmotive erkennbar, darunter auf Konsolen stehend, von Michael Hartmann geschaffene Plastiken der vier abendländischen Kirchenväter: links Bischof Augustinus mit dem wasserschöpfenden Kind; dann Papst Gregor mit der den Heiligen Geist symbolisierenden Taube; rechts vorne Kardinal Hieronymus, wegen seiner Sekretärstellung beim Papst mit Kardinalshut dargestellt und dem Löwen, dem er einen Dorn aus der Pranke gezogen haben soll und ganz rechts Bischof Ambrosius mit dem geflochtenen Bienenkorb, seine emsige Gelehrsamkeit deutlich markierend. Die Seitenwände und das Gewölbe sind stark mit von Xaver Buosiger geschaffenen Stuckdekorationen (1752-55) überzogen, die aus reichen Rocaillen, Blumenmotiven und Muschelwerk in zeittypischem Grün, Ockergelb und Graublau bestehen. Im Zentrum über dem Hochaltar ist das strahlende Auge Gottes, umgeben von dichten Knäuelwolken, erkennbar. Unter den sechs Fenstern sind in Kartuschen Bildnisbüsten von Angehörigen der heiligen Familie dargestellt. Im Chor stehen auch zwei mit Engelfiguren bekrönte Kerzenstangen aus der Mitte des 17.Jahrhunderts.

 

 

Der Hochaltar

Das Prunkstück stellt der Hochaltar dar, der von Michael Hartmann 1686/87 geschaffen und 1688/89 vergoldet wurde. Er gilt als sein Hauptwerk. Der aus dem bayerischen Wasserburg zugezogene Hartmann war ins Atelier des führenden Luzerner Bildschnitzers Hans Ulrich Räber (vgl. Seitenkapellen) eingetreten und führte dessen Werkstatt nach dessen Tod weiter. Der mit Säulen dreiteilig gegliederte Hochaltar beherbergt ein Figurenensemble, das theologisch durchdacht und auf die Passion ausgerichtet ist. Die breite Rundbogennische im Altarzentrum wird von einer ausdrucksstarken Pietà dominiert, die als eines der hervorragendsten Werke barocker Plastik in der Schweiz beurteilt wird. Darüber tragen zwei Engel Leidenswerkzeuge. In den muschelförmig endenden Seitennischen stehen zwei grosse Engel mit weiteren Leidenswerkzeugen, dem Kreuz bzw. einer Lanze und einem Schwammhalter. Im Aufbau oben in der Mitte steht Maria Magdalena, die als Büsserin das Kreuz betrachtet. Auf den Segmentbogen über den Seitennischen stehen links Karl Borromäus mit dem Kreuz und rechts Franz von Assisi mit den Wundmalen. Der Hochaltar wurde 1758 durch einen reich verzierten, vergoldeten Tabernakel ergänzt, ein "sprudeldes Werk des Rokoko".Dessen dekorativer Aufbau wird von einem Pelikan mit seiner Brut bekrönt, was als Symbol für den Opfertod Christi absolut zur darüber befindlichen Pietà-Darstellung passt. Das in Scagliola-Technik geschaffene, mit farbigem Bandelwerk versehene Stuckmarmor-Antependium des Altars mit dem Christusmongramm IHS von Joseph Joachim Buosiger 1743/44 angefertigt. Alle weiteren vier Altäre der Kirche, die aus verschiedenen Zeiten stammen, wurden Mitte des 18.Jahrhunderts mit Antependien aus Stukmarmor versehen, die, wie der gesamte Rokokostuck, mit handwerklichem Geschick von der Stukateurfamilie Buosinger geschaffen wurden. Beidseits des Hochaltars stehen zwei identische, dreiteilige Reliquienschreine, die 1707 geschaffen wurden. Sie enthalten Reliquien der heiligen Regula und nicht identifizierter Märtyrer. Die Schreine werden ausser an kirchlichen Feiertagen von Vorsatzgemälden abgedeckt.

 

 

Das Langhaus

Fünf längliche Rundbogenfenster, drei nach Norden, zwei nach Süden, spenden Licht in das schmale Langhaus, das damit nicht gut ausgeleuchtet ist. Die von einem breiten Mittelgang geteilten 20 Holzbänke, deren Doggen etwa 300 Jahre alt sind, bieten gegen 100 Personen Platz. Das Langhaus wird vorne von zwei schräg gestellten Seitenaltären (1767) und dem dazwischen angebrachten, schmiedeisernen Chorgitter (1639/40) abgeschlossen. Über dem Eingangsbereich ruht eine nicht tief in den Raum reichende, zweigeschossige Orgelempore, die unten auf zwei toskanischen Steinsäulen und oben auf Holzsäulen ruht. Die Emporenbrüstungen tragen 11 Tafelbilder des St.Jost-Legendenzyklus (Bilderzyklus). In der Mitte der oberen Empore steht der fünfteilige Orgelprospekt (1711/12) mit einem halbrunden Pfeiffenturm in der Mitte und zwei spitzwinkligen Seitentürmen. Die 1959-61 renovierte Orgel weist acht Register auf.
Das Deckengewölbe des Langhauses besteht aus einer Stichbogentonne, die auf kräftig ausgebildeten Gesimsen ruht. Dieses wird von drei vierpassförmigen Deckengemälden gestaltet. Das grosse Deckengemälde (1752) in der Mitte ist in bis zu den Gesimsen reichenden Stuckdekorationen mit Rocaillen und einigen Blumenmotiven gefasst, wie sie auch das Chorgewölbe zieren. Es zeigt den heiligen Jost, wie er von Christus die Krone des ewigen Lebens erhält; gleichzeitig legt er Fürbitte für die Stadt Luzern, dargestellt durch einen Merian-Stadtplan, ein; zu sehen ist unten die Landschaft von Blatten mit Pilgern, wobei die Kirche ohne das (damals abgebrochene, erste) Beichthaus und der Steinbrücke zur Kaplanei dargestellt ist, sowie ein Sockel mit den von Jost niedergelegten, weltlichen Insignien (Krone, Zepter, Königsmantel). Das kleinere Deckengemälde bei der Orgel zeigt von links nach rechts Hoffnung, Glaube und Liebe, dasjenige beim Chorbogen die beiden Erzengel Gabriel und Michael und einen Schutzengel.
An den Wänden des Langhauses sind in Vierergruppen die übrigen 16 Tafelbilder des St.Jost-Bilderzyklus angebracht. Auf dem Wandverputz unter den beweglich angebrachten Tafelbildern sind sechs Szenen eines älteren St.Jost-Zyklus (ca. 1600) erhalten geblieben. Vorne rechts befindet sich die sechseckige Kanzel aus Nussbaumholz (1630), die ursprünglich in schlichtem Renaissancestil ausgeführt eine mit fünf nischenartigen, säulengegliederten Füllungen bestehende Korbbrüstung aufwies. Tischler Meinrad Müller verzierte von 1703-08 die Füllungen der Kanzel mit lindenholzgeschnitzten Blattornamenten und schloss die Rückwand mit geschwungenen Seitenbärten ab; auf dem von gegeneinander gestützten Voluten gehaltenen Schalldeckel brachte er unten eine Heiliggeisttaube und oben Figuren des Erlösers, sowie fünf Putten mit Leidenswerkzeugen an. Am Scheitel des Chorbogens erscheinen stuckaturgefasst die Wappen der Kapellenpflegerfamilie Am Rhyn und der Familie Schumacher. In der Leibung ist die Verkündigung Mariä dargestellt.

 

 

Die Seitenaltäre

Die 1752-55 entstandenen, analog gestalteten Seitenaltäre neben dem Chorbogen sind im Gegensatz zum Hochaltar schwarz-weiss marmoriert und weisen nur wenig Goldverzierungen (Seitenbärte, Bekrönung) auf. Zwischen den Säulen der muschelförmig endenden Figurennischen steht auf dem linken Altaraufbau eine Maria mit Jesuskind (Ankleidemadonna), im rechten Altaraufbau der heilige Jost mit Pilgerstab und Buch. Auf den Gesimsen über den Muschelnischen befinden sich links der heilige Michael mit Seelenwaage und rechts der heilige Raphael mit Tobias; beide von Vorgängeraltären übernommenen Figuren stammen von Michael Hartmann (1689/90). Die ähnlich geschaffenen Antependien der Altäre (1743/44) sind aus gleichem Stuckmarmor wie dasjenige des Hochaltars.
Die Ankleidemadonna im linken Seitenaltar ist vermutlich die ursprünglich dort eingesetzte Marienfigur und konnte bei der Renovation 2011 vom zwischenzeitlichen Besitzer zurückgewonnen werden. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

 

 

 

Der Bilderzyklus

Für eine Wallfahrtskirche typisch findet sich in der Kirche ein St.Jost-Bilderzyklus, der das Leben und Wirken des verehrten Heiligen erzählt. Der ursprünglich 30 Tafelgemälde umfassende, 1639/40 entstandene Zyklus wird heute aus stilistischen Gründen der Werkstatt von Hans Jakob Wysshaupt zugeschrieben. Die 27 in Blatten vorhandenen Gemälde (Nr.20/24/25 fehlen, wahrscheinlich seit dem Orgeleinbau in der oberen Empore) sind gleichartig aufgebaut, indem sie am untern Bildrand einen erklärenden Vierzeiler, eine Nummer, sowie Stifterwappen und -inschrift aufweisen. Das ganze Bildprogramm ist in Band 1 der Kunstdenkmäler des Kantons Luzern (S. 451-454) beschrieben.

  Weitere Informationen und Bilder zum Bilderzyklus

Auf dem Wandverputz unter den beweglich angebrachten Tafelbildern sind sechs Szenen eines älteren St.Jost-Zyklus (ca. 1600) erhalten geblieben. Diese müssen wegen Erhaltung der Farben geschützt werden, weshalb sie nur bei Führungen gezeigt werden.

 

 

Votivbilder

Unter der Empore und im Beichthaus sind viele aus dem 17.-19. Jahrhundert stammende Votivbilder aufgehängt. Sie geben Zeugnis von persönlichen Leiden, Nöten und Schicksalen. Wer am Wallfahrtsort Hilfe erbeten oder schon erhalten hatte, stiftete ein das Gelübde darstellende "Täfeli", ein "ex voto". St.Jost wurde vor allem bei menschlichen Krankheiten und bäuerlichen Anliegen zu den Früchten und dem Viehstand um Fürbitte angerufen. Ein Ex-Voto aus Duggingen/Laufental von 1797, das wegen der Verschonung vor der drohenden "Viehsucht" gestiftet wurde, zeigt, die Kirche St. Jost zu Blatten ein weit herum bekannter Wallfahrtsort gewesen sein muss.
Aus einem um 1600 entstandenen Ex-Voto ist ersichtlich, wie die spätmittelalterliche, 1511 geweihte Kirche aussah und sich bis ins 17.Jahrhundert präsentierte.

 

 

Die Seitenkapellen

Im hinteren Teil des Langhauses sind beidseitig durch sandsteinerne Rundbogenöffnungen abgeschlossen Seitenkapellen angebaut. Die gegen Norden zeigende Heiliggrabkapelle (Beweinungskapelle) wurde von 1644-46 gebaut, die gegen Süden liegende Vermählungskapelle entstand unmittelbar danach1647/48. Das Innere beider Kapellen wird von je vier Ochsenaugenfenstern erhellt und ist mit Stichkappengewölben ausgebaut, die 1703-08 mit ausgewogen verteilten Stuckaturen verziert wurden. In den Deckenzwickeln sind Freskomalereien von Francesco Giorgioli angebracht. An den Seitenwänden sind je ein um 1647 geschaffener Leuchterengel aus bemaltem bzw. vergoldetem Blech angebracht. Die beiden Altäre weisen aus Stuckmarmor geschaffene Antependien auf, welche dieselbe Machart wie diejenigen des Hauptaltars und der Seitenaltäre aufweisen. Anstelle eines Altaraufbaues besitzen beide Seitenkapellen 1644-48 entstandene szenische Gruppen mit Vollplastiken des Luzerner Barockmeisters Hans Ulrich Räber, der fast die ganze Wallfahrtskirche Hergiswald ausstattete. Anregungen zu solch szenischen Altären stammen wohl von den oberitalienischen Monte-Sacro-Anlagen, sowie den geistlichen Theatern in Luzern und Umgebung. Die Szene in der Heiliggrab- oder Beweinungskapelle zeigt im Zentrum einen Sarg, auf den Josef von Arimathaia und Nikodemus den Leichnam Christi gelegt haben. Dahinter stehen der Hände ringende Johannes und drei weinende Marien. Die Szene der Josefs- oder Vermählungskapelle findet hinter tempelhaft wirkenden Säulen und Bogen aus schwarzem Alpenkalk und weissem Alabaster statt. Sie zeigt die auf eine apokryphe Darstellung zurückgehende Vermählung Mariens mit Josef, die einander vor dem Hohenpriester, flankiert von Leviten und Trauzeugen, die rechte Hand zum Ehebund entgegenstrecken, während der erfolglose Freier seinen Stab zerbricht.

  Weitere Informationen zu den Seitenkapellen

 

 

 

Die untere Sakristei

Aufgefundene Fundamente, sowie ein Votivbild belegen, dass die 1511 erneuerte St.Jost-Kirche bereits eine Sakristei besass. Die heutige Sakristei entstand 1634. Sie ist mit Tannentäfer im Renaissance-Stil ausgestattet und wirkt wie eine wohnliche, währschafte Stube. Raumprägend wirken das stattliche Buffet und der in die Wand eingelassene Schrank, welche beide mit kannelierten Pilastern gegliedert sind und im oberen Teil Holzvergitterungen aufweisen. Als Blickfang erweist sich weiter das aus Nussbaumholz bestehende Eckmöbel beim Eingang, das auf beiden Seiten mit Pilastern verziert ist und im Aufbau ein Muschellavabo mit Giessfass in Form eines Delfins aus Zinn eingebaut hat. Die vier unter die Treppe eingepassten Schubladen beweisen, dass schon die damaligen Schreiner einen Sinn fürs Praktische hatten. Unter den Mauerflächen über den Wandtäfern und in den Fensterleibungen wurden bei der Renovation 2011 Reste von zierenden Fresken gefunden, die nun freigelegt und sichtbar gemacht wurden. Die gefelderte Decke zeigt in der Mitte ein achteckig gefasstes Tafelgemälde mit den Wappen der Kirchenpflegerfamilie "Am Rhyn" und der Familie "Zur Gilgen". Das ins ostseitige Fenster eingelassene Glasgemälde von 1634 ist dem Familienwappen der "Pfyffer" gewidmet.
 

Die obere Sakristei

Etwas einfacher gestaltet ist die 1642 auf die bestehende untere Sakristei aufgesetzte zweite Sakristei. Sie weist ein analoges, in die Decke eingelassenes Tafelbild mit dem "Am Rhyn"- und "Zur Gilgen"-Wappen auf. Die verschieden gestalteten Schränke werden zur Decke hin ebenfalls mit einem friesartigen Sims abgeschlossen. Im grossen Wandtresor wurden bisher die silberne Jostfigur (Silberjost) und weitere wertvolle Messutensilien aufbewahrt, welche seit der Renovation 2011 in einem zur Vitrine umgebauten Kleiderschrank zusammen mit weiteren Reliquien-, Gebets- und Ex-Voto-Gegenständen ausgestellt sind.